Nicht nur was wir essen, sondern auch wann wir essen, könnte eine Rolle für unsere Gesundheit spielen. Genau damit beschäftigt sich die sogenannte Chrononutrition. Die Ernährungswissenschaft untersucht, wie Mahlzeiten mit unserer inneren Uhr zusammenhängen - und warum spätes Essen möglicherweise ungünstiger für den Stoffwechsel ist.
Die innere Uhr bestimmt nicht nur den Schlaf
Unser Körper folgt einem natürlichen Rhythmus: Die sogenannte zirkadiane Uhr steuert zahlreiche Prozesse wie Schlaf, Hormonproduktion, Körpertemperatur und Stoffwechsel. Bekannt ist vor allem der Einfluss von Licht auf diese innere Uhr. Doch auch Nahrung kann als Zeitgeber wirken und beeinflussen, wann bestimmte Stoffwechselprozesse besonders aktiv sind.
Genau hier setzt die Chrononutrition («chronos», griechisch für Zeit, und «nutrition», englisch für Ernährung) an. Die noch junge Forschungsrichtung untersucht, welche Rolle der Zeitpunkt von Mahlzeiten für die Gesundheit spielt - neben Faktoren wie der Zusammensetzung und Menge der Nahrung.
Warum der Zeitpunkt der Mahlzeit entscheidend sein könnte
Unser Stoffwechsel arbeitet nicht rund um die Uhr gleich. Tagsüber, wenn wir aktiv sind, kann der Körper Nahrung meist besser verarbeiten: Die Insulinempfindlichkeit ist höher, der Blutzucker wird effizienter reguliert und die Verdauung läuft auf Hochtouren. Abends und nachts fährt der Organismus dagegen zunehmend in den Ruhemodus. Laut dem Bundeszentrum für Ernährung können Essenszeiten sogar mit dem Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen zusammenhängen.
Wer regelmässig spät am Abend grosse Mahlzeiten isst oder nachts snackt, könnte dadurch den natürlichen Rhythmus des Körpers stören. Studien bringen spätes Essen unter anderem mit einer schlechteren Blutzuckerregulation, einer geringeren Insulinempfindlichkeit und ungünstigeren Stoffwechselwerten in Verbindung.
Muss man jeden Tag zur gleichen Uhrzeit essen?
Ein regelmässiger Essensrhythmus kann dem Körper helfen, sich besser auf die Nahrungsaufnahme einzustellen. Dabei geht es aber nicht darum, jeden Tag exakt um dieselbe Uhrzeit zu essen. Schon ein ähnlicher Ablauf kann ausreichen.
Wiederkehrende Essenszeiten geben dem Körper Orientierung: Verdauung, Hormonausschüttung und Stoffwechselprozesse können sich an einen bestimmten Rhythmus anpassen. Unregelmässiges Essen wird in Studien häufiger mit ungünstigeren Stoffwechselwerten in Verbindung gebracht - allerdings spielen dabei auch andere Faktoren wie Schlafmangel, Stress oder Schichtarbeit eine Rolle.
Besonders ungünstig könnte ein dauerhaft wechselnder Rhythmus sein: etwa wenn an einem Tag früh gefrühstückt wird und am nächsten die erste Mahlzeit erst am Nachmittag stattfindet oder wenn regelmässig grosse Mengen kurz vor dem Schlafengehen gegessen werden.
Für den Alltag bedeutet das: Es ist sinnvoll, Mahlzeiten möglichst regelmässig einzuplanen und den Grossteil der Kalorien eher tagsüber aufzunehmen.
Früher essen: Hilft das beim Abnehmen?
Ein wichtiger Bereich der Chrononutrition ist das sogenannte Time-Restricted Eating (TRE) - also Essen innerhalb eines bestimmten Zeitfensters. Dabei geht es weniger darum, Kalorien zu zählen, sondern darum, die tägliche Essensphase zu verkürzen und möglichst an den Tagesrhythmus anzupassen.
Einige Studien zeigen, dass ein früheres Essensfenster positive Effekte auf Stoffwechsel und Gewicht haben kann. In einer kleinen randomisierten Studie assen Teilnehmer beispielsweise zwischen 8 und 14 Uhr statt über einen längeren Zeitraum bis zum Abend. Das frühe Essensfenster veränderte zwar nicht den täglichen Energieverbrauch, führte aber unter anderem zu weniger Hunger und einer besseren Stoffwechsel-Flexibilität.
Auch Übersichtsarbeiten kommen zu dem Ergebnis, dass ein früherer Zeitpunkt der Nahrungsaufnahme und weniger Kalorien am späten Abend mit besseren kardiometabolischen Werten zusammenhängen können. Allerdings ist die Forschung noch nicht abgeschlossen - viele Studien sind klein oder untersuchen kurze Zeiträume.







