Niederkaltenkirchen bleibt sich treu - und wird trotzdem immer verrückter. Im zehnten Eberhofer-Film «Steckerlfischfiasko» (Kinostart: 13. August) wird gemordet, gestritten, gegolft, gekämpft und gewählt. Während Franz Eberhofer (Sebastian Bezzel, 55) zwischen Mordermittlung und Familienpflichten herumlaviert, hat Susi endgültig genug vom Amtsschimmel: Sie kandidiert als Bürgermeisterin. Lisa Maria Potthoff (48), die Susi seit zehn Filmen verkörpert, findet das erstaunlich konsequent und modern. Bayern-Klischees sucht man in Niederkaltenkirchen ohnehin vergeblich.
Leoparden-Jeans statt Dirndl
«Wenn man genau hinschaut, fehlen bei uns auch die klassischen oberbayerischen Bauernhöfe mit den Geranienkästen», sagt Potthoff im Interview mit spot on news. Das ist kein Versehen, sondern Programm. «Das ist etwas anderes und war auch von Anfang an die Idee. Wir zeigen eben nicht das romantisierte Oberbayern, sondern die niederbayerische Provinz.» Oder, etwas zugespitzter: «Wir sind nicht ‹Der Bulle von Tölz›, sondern erzählen ein raueres, derberes Bayern, in dem das Leben anders funktioniert.» Lederhose und Dirndl? «Wir besetzen bewusst eine andere Nische. Und da würden Lederhose und Dirndl einfach nicht richtig hineinpassen», erklärt die Berlinerin Potthoff.
Dafür gehört bei Susi die Jeans längst zum festen Inventar - und zwar seit Jahren dieselbe. «Mein Wunsch war immer, dass Susis Kostüme sich möglichst wenig verändern.» Die pinke Jeans, die blaue Leoparden-Jeans, die Jeansjacke - sie alle sind längst vertraute Bestandteile der Figur. Souvenirs vom Set hat Potthoff deshalb bislang keine. «Solange wir weiterdrehen, kann ich diese Sachen natürlich gar nicht mitnehmen.» Sollte irgendwann tatsächlich Schluss sein, steht ihr persönliches Erinnerungsstück allerdings schon fest: «Ich würde mir sofort die blaue Leoparden-Jeans als Erinnerung sichern.»
Susis ziemlich moderner Lebensweg
Doch während Susis Garderobe erstaunlich konstant bleibt, hat sich die Figur durchaus weiterentwickelt. Susi Gmeinwieser will Bürgermeisterin werden - und damit mehr als nur Gemeindeangestellte und Partnerin des Dorfpolizisten sein. Für Lisa Maria Potthoff ist das keineswegs ein abrupter Sinneswandel. «Wenn ich mir die Frauen in meinem eigenen Umfeld anschaue, ist keine mit Anfang 40 noch dieselbe wie mit Anfang 20.» Viele Frauen würden irgendwann Bilanz ziehen: Das Kind ist aus dem Gröbsten heraus, viel Energie ist in die Familie geflossen - und plötzlich steht die Frage im Raum: «Was möchte ich jetzt noch gestalten? Wie kann ich mich selbst verwirklichen? Möchte ich gesellschaftlich etwas bewegen?»
Susi entscheidet sich für Letzteres. Statt auf ewig Reisepässe im Amt zu bearbeiten, will sie «noch einmal etwas verändern». Ein ziemlich moderner Lebensweg also - auch wenn er in Niederkaltenkirchen natürlich mit reichlich Wahlkampfchaos einhergeht. Franz ist vom neuen Ehrgeiz seiner Partnerin jedenfalls überfordert. Ausgerechnet der Mann, der selbst bei Mordfällen erstaunlich tiefenentspannt bleibt, bekommt die Folgen von Susis politischem Höhenflug zu spüren: Weil er beim Wahlkampf nicht so recht mitzieht, landet er prompt wieder im alten Saustall.







