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Lisa Maria Potthoff: «Wir zeigen nicht das romantisierte Oberbayern»

In «Steckerlfischfiasko» mischt Susi Gmeinwieser die Gemeinde auf: Sie kandidiert als Bürgermeisterin. Lisa Maria Potthoff erklärt im Interview, warum das kein Zufall ist, weshalb in Niederkaltenkirchen niemand Tracht trägt und welches Kleidungsstück sie als Erinnerung behalten will.

(ili/pch)
In ihren Leopardenjeans ist Susi (Lisa Maria Potthoff) von Anfang an bei den Eberhoferkrimiverfilmungen dabei - im zehnten und neuesten, «Steckerfischfiasko», will sie Bürgermeisterin von Niederkaltenkirchen werden.
In ihren Leopardenjeans ist Susi (Lisa Maria Potthoff) von Anfang an bei den Eberhoferkrimiverfilmungen dabei - im zehnten und neuesten, «Steckerfischfiasko», will sie Bürgermeisterin von Niederkaltenkirchen werden. © [M] © Constantin Film Distribution GmbH / Bernd Schuller
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Niederkaltenkirchen bleibt sich treu - und wird trotzdem immer verrückter. Im zehnten Eberhofer-Film «Steckerlfischfiasko» (Kinostart: 13. August) wird gemordet, gestritten, gegolft, gekämpft und gewählt. Während Franz Eberhofer (Sebastian Bezzel, 55) zwischen Mordermittlung und Familienpflichten herumlaviert, hat Susi endgültig genug vom Amtsschimmel: Sie kandidiert als Bürgermeisterin. Lisa Maria Potthoff (48), die Susi seit zehn Filmen verkörpert, findet das erstaunlich konsequent und modern. Bayern-Klischees sucht man in Niederkaltenkirchen ohnehin vergeblich.

Leoparden-Jeans statt Dirndl

«Wenn man genau hinschaut, fehlen bei uns auch die klassischen oberbayerischen Bauernhöfe mit den Geranienkästen», sagt Potthoff im Interview mit spot on news. Das ist kein Versehen, sondern Programm. «Das ist etwas anderes und war auch von Anfang an die Idee. Wir zeigen eben nicht das romantisierte Oberbayern, sondern die niederbayerische Provinz.» Oder, etwas zugespitzter: «Wir sind nicht ‹Der Bulle von Tölz›, sondern erzählen ein raueres, derberes Bayern, in dem das Leben anders funktioniert.» Lederhose und Dirndl? «Wir besetzen bewusst eine andere Nische. Und da würden Lederhose und Dirndl einfach nicht richtig hineinpassen», erklärt die Berlinerin Potthoff.

Dafür gehört bei Susi die Jeans längst zum festen Inventar - und zwar seit Jahren dieselbe. «Mein Wunsch war immer, dass Susis Kostüme sich möglichst wenig verändern.» Die pinke Jeans, die blaue Leoparden-Jeans, die Jeansjacke - sie alle sind längst vertraute Bestandteile der Figur. Souvenirs vom Set hat Potthoff deshalb bislang keine. «Solange wir weiterdrehen, kann ich diese Sachen natürlich gar nicht mitnehmen.» Sollte irgendwann tatsächlich Schluss sein, steht ihr persönliches Erinnerungsstück allerdings schon fest: «Ich würde mir sofort die blaue Leoparden-Jeans als Erinnerung sichern.»

Susis ziemlich moderner Lebensweg

Doch während Susis Garderobe erstaunlich konstant bleibt, hat sich die Figur durchaus weiterentwickelt. Susi Gmeinwieser will Bürgermeisterin werden - und damit mehr als nur Gemeindeangestellte und Partnerin des Dorfpolizisten sein. Für Lisa Maria Potthoff ist das keineswegs ein abrupter Sinneswandel. «Wenn ich mir die Frauen in meinem eigenen Umfeld anschaue, ist keine mit Anfang 40 noch dieselbe wie mit Anfang 20.» Viele Frauen würden irgendwann Bilanz ziehen: Das Kind ist aus dem Gröbsten heraus, viel Energie ist in die Familie geflossen - und plötzlich steht die Frage im Raum: «Was möchte ich jetzt noch gestalten? Wie kann ich mich selbst verwirklichen? Möchte ich gesellschaftlich etwas bewegen?»

Susi entscheidet sich für Letzteres. Statt auf ewig Reisepässe im Amt zu bearbeiten, will sie «noch einmal etwas verändern». Ein ziemlich moderner Lebensweg also - auch wenn er in Niederkaltenkirchen natürlich mit reichlich Wahlkampfchaos einhergeht. Franz ist vom neuen Ehrgeiz seiner Partnerin jedenfalls überfordert. Ausgerechnet der Mann, der selbst bei Mordfällen erstaunlich tiefenentspannt bleibt, bekommt die Folgen von Susis politischem Höhenflug zu spüren: Weil er beim Wahlkampf nicht so recht mitzieht, landet er prompt wieder im alten Saustall.

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Sebastian Bezzel oder Andrea Sawatzki konnten sich nach ihrem Aus als «Tatort»-Kommissare in anderen erfolgreichen Rollen etablieren. Das gelang auch anderen Ex-Sonntagskrimi-Stars. © ARD Degeto/BR/Bernd Schuller / SWR/Zum Goldenen Lamm/Britta Krehl

Politikerin ist privat keine Option

So kämpferisch Susi ihren beruflichen Plan verfolgt, so wenig kommt eine politische Karriere für Lisa Maria Potthoff selbst infrage. «Nein. Auf gar keinen Fall. Ich bewundere alle Menschen, die in die Politik gehen und sich dieser Aufgabe stellen. Aber ich glaube nicht, dass ich dem gewachsen wäre.» Politisches Engagement sei unglaublich wichtig. Das versuche sie auch ihren Kindern mitzugeben: «dass man sich informiert, sich eine eigene Meinung bildet und sich gesellschaftlich einbringt».

Als Schauspielerin steht sie zwar ebenfalls in der Öffentlichkeit und wird ständig bewertet. Trotzdem sieht Potthoff einen entscheidenden Unterschied: «Politikerinnen und Politiker müssen in Talkshows, Bürgerdialogen oder Live-Situationen jederzeit Position beziehen. Jedes Wort wird heute auf die Goldwaage gelegt. Man muss permanent auf Zack sein, seine Botschaft präzise formulieren und gleichzeitig vermeiden, dass daraus ein Shitstorm entsteht oder Aussagen falsch interpretiert werden.»

Doch was passiere, wenn man einfach mal einen schlechten Tag habe? Oder zu einem Thema gerade nicht perfekt formulieren könne? Das werde heute kaum noch verziehen. Als Schauspielerin könne sie viel eher sagen: «Das ist nicht mein Fachgebiet, frag bitte den Regisseur.» Politiker müssten dagegen zu allem eine fundierte Antwort haben - «und diese darf ihnen später nicht um die Ohren fliegen».

Gewinnt Susi die Wahl und wird Bürgermeisterin von Niederkaltenkirchen?

Die Romanvorlagen von Schriftstellerin Rita Falk (62) lassen erahnen, wie die Bürgermeisterwahl ausgeht - «Apfelstrudel-Alibi» wurde im Herbst 2025 veröffentlicht. Potthoff möchte das Kinopublikum trotzdem nicht spoilern: «Ich finde, man sollte den Film spannend bleiben lassen.» Schliesslich kenne nicht jeder die Bücher. «Ausserdem haben wir uns bei manchen Geschichten auch schon von den Romanen entfernt. Nicht, dass am Ende jemand enttäuscht ist, weil etwas anders läuft», so die Schauspielerin.

Bleibt noch die wichtigste Frage nach zehn Eberhofer-Filmen: Kommt Nummer elf? In diesem Herbst wird zwar keiner gedreht, doch Potthoff macht Hoffnung, ohne sich festzulegen. «Sollte es einen elften Film geben, werde ich alles daransetzen, ihn zeitlich möglich zu machen.» Denn Susi spiele sie «wahnsinnig gern».

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